Der
Weinjahrgang 2008 Guter Jahrgang mit Mostgewichten meist im Kabinettbereich
Nach einem deutlich zu milden Winter lagen im März und April die Temperaturen knapp unterhalb der Normwerte, so dass folgerichtig der Austrieb dem langjährigen Mittel (Riesling: 28.04.) entsprach. Der Mai lag bezüglich Wärme und Sonnenschein auf Juni-Niveau, was die Rebentwicklung enorm vorantrieb.
Mit 37 Tagen hatten wir beim Riesling die zweitkürzeste Zeitspanne von „Austrieb“ bis „Blühbeginn“ seit Beginn unseren regelmäßigen phänologischen Aufzeichnungen vom Eltviller Sonnenberg 1955. Dass hier die Laubarbeiten nicht immer up to date sein konnten, versteht sich von selbst. Die „Vollblüte“ registrierten wir in unseren Referenzweinbergen beim Riesling am 06.06. und beim Spätburgunder am 04.06., womit ein Vegetationsvorsprung von zwei Wochen erreicht war. Nur in spät blühenden Anlagen kam es zu Verrieselungen.
Beim Pflanzenschutz war Peronospora kein Thema, während Oidium nicht nur in den dafür bekannten Lagen zu finden war. Teilweise waren Weinberge massiv betroffen. Die Verwirrungsmethode, auf ca. 90 % der rheingauer Rebfläche praktiziert, funktionierte bestens.
Hagelschauer in Verbindung mit Windböen verursachten im Juni lokal begrenzte Schäden, die sich aber meist wieder auswuchsen.
Die pünktlich aufgetretene „Schafskälte“ mit Nachttemperaturen um 10 °C verschaffte den Winzern die willkommene Verschnaufpause. Auch die höheren Regenmengen im Juni (Eltville: 143 %) waren erwünscht. Die Kehrseite dieses Wetters war ein relativ starkes Auftreten von Chlorose, wie man es seit vielen Jahren nicht mehr beobachten konnte. Bedingt durch das schnelle Wachstum waren die Reben besonders anfällig. Standorte mit Bodenstrukturproblemen waren umso stärker betroffen. Nach der Erwärmung ergrünten die schwächer befallenen Rebstöcke schnell wieder.
Obwohl die Durchschnittstemperatur im Juli in etwa dem langjährigen Mittel entsprach, schwankte das Thermometer doch sehr stark. Während Beginn und besonders das Monatsende hochsommerlich waren, lagen sie vom 7. bis 23. von wenigen Ausnahmen abgesehen unter 20 °C. In der Nacht fielen sie gar bis auf 10 °C (am 21. und 23.) ab.
Am 19. gingen im Bereich Oestrich-Winkel Regenschauer mit Hagel nieder. Die Symptome ähnelten an den Beeren oftmals denen von Sonnenbrand. Am 27. und 29. hagelte es in Bereichen der Lorcher Gemarkung. Größere Schäden waren aber auch hier nicht zu erwarten, da die getroffenen Beeren auf Grund der Witterung schnell eintrockneten.
Bei mittelfrühen Rebsorten (z.B. Müller-Thurgau) setzte die Reife am 27. Juli ein. Der Spätburgunder folgte am 4. und der Riesling am 10. August.
Im August fielen am Standort Eltville 71 l/m² Regen und damit 65 % über dem Mittelwert. Die Folge war eine starke Wasseraufnahme der Reben, was zu ersten Fäulnisnestern in den Trauben durch ein Abdrücken vom Stielgerüst bzw. durch ein Aufplatzen der Beeren führte. Bei durchschnittlicher Wärme ging die Traubenreife zügig voran.
Während am 12. September im unteren und mittleren Rheingau bis Erbach nur etwa 5 l/m² Regen fiel, waren es in Eltville (Weinbauamt) 26 l/m² und in Frauenstein gar 51 l/m². Ab dem 13. September ging die Temperatur deutlich nach unten. Vom 14. bis 30.09. lag das Tagesminimum mit einer Ausnahme stets unter 10 °C. Dadurch blieben die Säurewerte hoch und die weitere Reifeentwicklung verzögerte sich.
Rebenphänologische Daten der beiden Hauptrebsorten des Rheingaues – Weißer Riesling und Blauer Spätburgunder
Die Lese setzte beim Spätburgunder am 2. und beim Riesling am 4. Oktober ein. Ab etwa dem 10. Oktober verlief sie beim Riesling auf Grund fortschreitender Fäulnis auf „vollen Touren“.
Auf Grund von Niederschlägen und durchweg hoher Luftfeuchte stagnierte das Mostgewicht seit dem 10. Oktober zwischen 80 und 85 °Oechsle. Mostgewichte im gehobenen Spätlesebereich waren eher die Ausnahme. Für die Gewinnung von Beeren- und Trockenbeerenauslese war ein extrem hoher Zeitaufwand erforderlich. Größere Mengen konnten nicht gewonnen werden.
Insgesamt war es ein Jahr, in dem die Winzer, die viel Arbeit in qualitätssteigernde Maßnahmen im Weinberg investiert hatten, besonders belohnt wurden.
Der Umfang des Mostgeschäftes lag wie in den letzten Jahren bei ca. 15 %.
Die Junganlagen präsentierten sich auf Grund bester Voraussetzungen nahezu optimal.
Kurz vor Jahreswechsel wurde am 30. und 31. Dezember noch Eiswein geerntet. Die eingebrachten Mengen waren jedoch relativ gering.
Herausgeber:
Dr. Andreas Booß
Regierungspräsidium Darmstadt
Dezernat Weinbauamt mit Weinbauschule Eltville