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Rheingauer Weinbauverband / Wein / Weinchroniken / Weinchronik 2007 |
Der
Weinjahrgang 2007
Ein Wunschjahrgang konnte in die Keller eingefahren
werden. |
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Obwohl
der Winter sehr warm war, konnte doch am 26. Januar bei –8 bis –10 °C
Eiswein geerntet werden. Die Mengen, die in
drei Weingütern geerntet wurden, waren allerdings extrem
gering. Der Regenüberschuss von Januar bis März von 50
l/m² kam zum Auffüllen des Bodenvorrates
sehr gelegen. Durch einen warmen März und den bisher wärmsten
April mit zehn Sommertagen (Monatsmittel 14,2 °C, 30 jähriges Mittel
9,5 °C)
verzeichneten wir einen extrem frühen Austrieb. Mit dem
14.04. lagen wir auf einem Niveau mit den Jahren 1974 und
1981, beide allerdings im weiteren Vegetationsverlauf keine
Überflieger.
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Bereits acht Tage nach dem langjährigen
Austriebstermin
(29.04.) wurden blühende Rieslinggescheine an einer Weinbergsmauer
im Hattenheimer Pfaffenberg entdeckt.
Erst Tief „Carsten“ beendete am 7. Mai die für diese
Jahreszeit
extrem lange Schönwetterperiode und brachte den so
sehr herbeigesehnten Regen.
Im weiteren Verlauf schritt die Rebentwicklung langsamerer
voran, was den Winzern jedoch gelegen kam. Ab dem 19.
kam rechtzeitig vor Blühbeginn der Sommer zurück. Im Referenzweinberg
des Weinbauamtes Eltville wurde am 25. Mai
Blühbeginn beim Riesling registriert. Es war die mit deutlichem
Abstand früheste Blüte seit Beginn unserer Aufzeichnungen
1955 (langjähriges Mittel: 19.6.). In beträchtlichem Abstand
folgen 1993 mit dem 2. Juni und 2003 mit dem 3.Juni. In den
guten Lagen war die Blüte an Pfingsten durchlaufen.
Wo dies nicht der Fall war, kam es durch die vorübergehende
kühle Witterung - in den Morgenstunden des 30. Mai war es
in ungünstigen Lagen nur knapp über 0 °C - zu Verrieselungen.
Doch bereits ab dem 2. Juni gingen die Temperaturen
wieder steil nach oben, so dass die Rebentwicklung insgesamt
nur wenig gebremst wurde. Alles steuerte auf einen extrem
frühen Reifebeginn hin.
Ab dem 9./10. Juni begann bei anfänglich hohen Temperaturen
eine lange Regenphase. Die Niederschlagsmengen waren
im Juni allerdings sehr unterschiedlich. Sie reichten von 46
l/m² in Rüdesheim bis 151 l/m² in
Hochheim. Eine generelle Wetterumstellung erfolgte ab dem 22.
Juni. Ein
Tiefausläufer nach dem anderen zog über Deutschland
hinweg. Dadurch war es vielfach gar nicht so einfach, die Pflanzenschutzmaßnahmen
bodenschonend zum optimalen Zeitpunkt
durchzuführen.
Von den hohen Regenmengen profitierte hauptsächlich der
obere Rheingau. So fielen von Mai bis Juli in Hochheim 310 l/m²,
während es in Lorch lediglich 161 l/m² waren.
Das erste Halbjahr war durchschnittlich um 3,0 °C zu warm,
wobei jeder Monat beträchtlich über dem langjährigen
Mittel
lag. Bereits Anfang Juli war beim Frühburgunder das Entwicklungsstadium „
Reifebeginn“ erreicht. In ungünstigen Jahren
wie 1984 hatten wir zu dieser Zeit „Blühbeginn“ beim
Riesling.
Die extreme Wärme am 15. und 16. Juli mit Temperaturen von
34 ° bis 36,5 °C führte zu Überhitzungen in
den Beeren, die
teilweise oder meist ganz abstarben. Ursache dafür dürfte
ein
Zusammentreffen von sehr guter Wasserversorgung, der rasanten
Umstellung von eher kühlem auf heißes Wetter sowie
die sehr niedrige Luftfeuchte gewesen sein. Wüchsige Anlagen
waren stärker betroffen; Riesling mehr als Spätburgunder
und Nord-Süd gezeilte Anlagen stärker als Ost-West
gezeilte
Weinberge. Regional waren temperaturbedingt die Schäden
im Hochheimer Raum am größten. Wer kurz vorher seine
Weinberge in der Traubenzone stark entblätterte, hatte beträchtliche
Schäden zu verzeichnen.
Der Rebschutz verlief weitgehend problemlos, da der Pilzdruck
relativ gering und 90% des Gebietes mit Pheromonen abgedeckt
war. Hagel trat zwar einige Male, jedoch nur sehr regional
und ohne größere Schäden zu verursachen, auf.
Die
maschinelle Teilentblätterung ist in vielen Betrieben zu
einer
Standartmaßnahme geworden.
Obwohl auch die ersten 12 Tage im Juli mit durchschnittlich
16,7 °C deutlich zu kühl waren, registrierten wir den
Reifebeginn
bei Müller-Thurgau am 16. Juli. Der Spätburgunder folgte
am 31.07 und der Riesling am 3. August. Dies entsprach in
etwa dem Entwicklungsstand von 2003.
Da der August bezüglich Wärme und Sonneneinstrahlung
fast
exakt dem langjährigen Mittel entsprach, hatten wir auch
den gewünschten langen Reifeverlauf mit stabilen Säurewerten.
Dies hatte auch Einfluss auf die Lese, die mit dem 17.09.
beim Spätburgunder und dem 22.09. beim Riesling leicht später
als noch Ende August erwartet begann und ohne Hektik
verlief. Die Mostausbeute betrug beim Riesling zu Beginn der
Lese aufgrund der markigen Beeren lediglich um 70%. Die
Erträge lagen deutlich über dem langjährigen Mittel.
Die meist niedrigen Nachttemperaturen sorgten mit dafür,
dass
die Trauben lange gesund blieben. Daran änderte auch der
Regen am 27. September nichts. Die idealen herbstlichen Bedingungen
bis weit in den Oktober hinein veranlassten viele
Winzer, die Lese hinauszuzögern. Sie wurden dafür mit
einer
weiteren Zunahme an Beerenaromen reich belohnt.
Um den 25. wurden bereits die ersten Beeren- und Trockenbeerenauslesen
geerntet.
Bedingt durch die sehr frühe Blüte hatten die Trauben
eine
sehr lange generative Entwicklungsdauer und eine ideale Reifephase.
Insgesamt war es wieder einmal ein Jahrgang, der
dem Winzer sowohl in quantitativer als auch in qualitativer
Hinsicht alle Möglichkeiten eröffnete.
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Herausgeber: |
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Dr. Andreas Booß
Regierungspräsidium Darmstadt
Dezernat Weinbauamt mit Weinbauschule Eltville
Tel. (06123) 905827
E-Mail: a.booss@rpda.hessen.de |
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