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Der Weinjahrgang 2006
Der vergangene Winter war mit durchschnittlich 0,9 °C der kälteste seit 1996/97
     

Der vergangene Winter war mit durchschnittlich 0,9 °C der kälteste seit 1996/97. Dabei waren alle drei Wintermonate zu kalt und zu trocken, ohne dass aber Temperaturen unter -10 °C auftraten. Die Lese von Eiswein war am 14. und 16. Januar möglich. Eine Erwärmung ließ auch im März lange auf sich warten. So konnten erstmals am 20. März bei einer milden Südwestströmung leichte Frühlingsgefühle aufkommen. Endgültig setzte sich der Frühling aber erst Mitte April durch und sorgte letztendlich doch noch für einen im Bereich des langjährigen Mittels (Riesling: 30.04.) liegenden Austriebstermin. Für einen späteren Austrieb muss man aber schon bis 1991 zurückgehen.

Nach einer kurzen Abkühlphase um den Monatswechsel stieg die Quecksilbersäule wieder an, so dass die sensiblen Austriebs- und Jungblattstadien schnell durchlaufen wurden. Erfreulicherweise war der Mai insgesamt nicht nur um 1,2 °C zu warm, sondern auch zu nass (Eltville: 70 l/m², normal 53). Nach einer weiteren kleinen Kälteperiode von Ende Mai bis Anfang Juni kletterten die Temperaturen nach oben und sorgten für einen um drei Tage verfrühten Blühbeginn. Etwas überraschend gab es auch Rieselschäden, insbesondere in den sehr guten Lagen. Die weiteren Entwicklungsstadien wurden rasant durchlaufen und hielten die Winzer gewaltig auf trapp. Bezüglich des Sommers 2006 irrten einige Fachleute, die eher durchschnittliches erwarteten. Aber es kam wie so oft anders. Obwohl schon der Juni um beachtliche 1,8 °C zu warm war und die Sonne ihr Soll um 35% übererfüllte, legte der Juli noch deutlich eine Schippe drauf. Mit beim Deutschen Wetterdienst in Geisenheim registrierten 24,6 °C (Mittel: 18,6 °C), 15,6 l/m² Niederschlag (56,5) und 317 Sonnenscheinstunden (224) hatten wir wieder einmal südländische Verhältnisse.

Verantwortlich dafür waren insbesondere die Hochs„ Zorro“ und „Bruno“, die sich als sehr beständig erwiesen. Letzteres ließ in Eltville die Quecksilbersäule am 20. Juli auf 36,7 °C klettern. Es war der heißeste Juli seit Beginn der Geisenheimer Wetteraufzeichnungen (1885) und wer kann sich noch erinnern, dass der alte Rekordhalter mit 23,3 °C der Juli 1994 war. Er übertraf somit auch den August 2003 (23,3 °C). Mit 14 Tropentagen und 20 heißen Tage ging er in die Statistik ein. Die Folge war, dass das Längenwachstum ab Mitte Juli weitgehend zum Stillstand kam. Auch waren beim Riesling die ersten Symptome von Sonnenbrand an den Trauben festzustellen. Während es im Hochheimer Raum ausreichend regnete, machten die Gewitter insbesondere um den mittleren Rheingau einen Bogen. Es ist schon erstaunlich, dass sich die Weinberge trotz dieser Trockenheit und hohen Temperaturen Ende Juli überwiegend noch so„ frisch“ präsentierten. Lediglich junge Anlagen sowie Reben auf leichten und skelettreichen Böden zeigten ab Ende Juli Trockenstresssymptome. Allein im Juni und Juli fehlten über 60 l/m² Regen, seit November 2005 summierte sich das Defizit auf über 100 l/m². Zu einem Unwetter kam es lediglich am 22. Juli in der
Gemarkung Martinsthal, wo wolkenbruchartiger Regen zu Abschwemmungen führte. Der Rebschutz machte in diesem Jahr keine Probleme. Da 90% der Fläche mit RAK-Ampullen abgehängt waren, ließen sich die Spritzungen gegen die Pilze optimal terminieren. Mit dem August kam auch die herbeigesehnte Abkühlung. Am 5. August fielen im unteren Rheingau Niederschläge zwischen 15 und 18 l/m², während der mittlere Rheingau nach wie vor fast leer ausging. Insgesamt holte der August jedoch einiges nach, was Juni und Juli versäumten. So regnete es zwischen 86 l/m² in Winkel und 123,5 l/m² in Rüdesheim. In Eltville fiel nur an sechs Tagen im Monat kein Niederschlag, so dass verbreitet Fäulnis einsetzte. Davon waren die kompakten Spätburgunderklone besonders betroffen.

Der Reifebeginn setzte beim Müller-Thurgau am 3. August, beim Spätburgunder am 10. und beim Riesling am 16. ein. Damit lagen wir in der Entwicklung im Bereich von 2002. Pünktlich zum 1. September kehrte aber der Sommer zurück und das Wetter ließ angenehme Erinnerungen an den September 2005 aufkommen. Die Durchschnittstemperatur lag mit 18,1 °C um 1,2 °C höher als 2005 und 3,4 °C über dem Mittel und damit gleichauf mit dem September 1949, der nach 1947 (18,3 °C) als zweitwärmster Monat seit 1885 registriert ist. Dementsprechend stieg auch der Zuckergehalt der Beeren in der Folgezeit rasant an. Die kühlen Nächte wiederum verhinderten einen zu schnellen Säureabbau. Auch die aufgekommene Fäulnis breitete sich witterungsbedingt zunächst nicht weiter aus.Ü berraschenderweise scheinen die geringen Regenmengen am 17. und besonders am 26. September in Verbindung mit einer hohen Luftfeuchte ausgereicht zu haben, dass sich die Fäulnis stark ausbreitete. Dadurch setzte die Lese früher ein als erwartet. Sie begann beim Spätburgunder am 28. September und beim Riesling am 2. Oktober. Die starken Niederschläge am Abend des 30. September veranlassten die Winzer zusätzlich, die Lese zügig voranzutreiben, so dass von einer insgesamt kurzen Lesedauer ausgegangen werden kann. Sehr bewährt haben sich in diesem Jahr die lockerbeerigen Spätburgunderklone. Eine leicht überdurchschnittliche Erntemenge wäre sehr marktgerecht, da die Nachfrage nach Riesling weiterhin boomt. Ein weiteres Ausbreiten der Fäulnis könnte dem jedoch entgegenstehen.
 

Herausgeber:
Dr. Andreas Booß
Regierungspräsidium Darmstadt

Dezernat Weinbauamt mit Weinbauschule Eltville

Tel. (06123) 905827
E-Mail: a.booss@rpda.hessen.de
 
 
   
   
     
   
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