Nach
einer kurzen Abkühlphase um den Monatswechsel stieg die
Quecksilbersäule wieder an, so dass die sensiblen
Austriebs- und Jungblattstadien schnell
durchlaufen wurden. Erfreulicherweise war der Mai
insgesamt nicht nur um 1,2 °C zu warm, sondern auch
zu nass (Eltville: 70 l/m², normal 53). Nach einer weiteren
kleinen Kälteperiode von Ende Mai bis Anfang
Juni kletterten die Temperaturen nach oben und sorgten
für einen um drei Tage verfrühten Blühbeginn.
Etwas überraschend gab es auch Rieselschäden, insbesondere
in den sehr guten Lagen. Die weiteren Entwicklungsstadien
wurden rasant durchlaufen und hielten
die Winzer gewaltig auf trapp.
Bezüglich des Sommers 2006 irrten einige Fachleute,
die eher durchschnittliches erwarteten. Aber es kam
wie so oft anders. Obwohl schon der Juni um beachtliche
1,8 °C zu warm war und die Sonne ihr Soll um
35% übererfüllte, legte der Juli noch deutlich eine
Schippe drauf. Mit beim Deutschen Wetterdienst in
Geisenheim registrierten 24,6 °C (Mittel: 18,6 °C), 15,6
l/m² Niederschlag (56,5) und 317 Sonnenscheinstunden
(224) hatten wir wieder einmal südländische Verhältnisse.
Verantwortlich dafür waren insbesondere die Hochs„
Zorro“ und „Bruno“, die sich als sehr beständig erwiesen.
Letzteres ließ in Eltville die Quecksilbersäule
am 20. Juli auf 36,7 °C klettern. Es war der heißeste Juli
seit Beginn der Geisenheimer Wetteraufzeichnungen
(1885) und wer kann sich noch erinnern, dass der alte
Rekordhalter mit 23,3 °C der Juli 1994 war. Er übertraf
somit auch den August 2003 (23,3 °C). Mit 14 Tropentagen
und 20 heißen Tage ging er in die Statistik ein.
Die Folge war, dass das Längenwachstum ab Mitte
Juli weitgehend zum Stillstand kam. Auch waren beim
Riesling die ersten Symptome von Sonnenbrand an
den Trauben festzustellen.
Während es im Hochheimer Raum ausreichend regnete,
machten die Gewitter insbesondere um den mittleren
Rheingau einen Bogen. Es ist schon erstaunlich,
dass sich die Weinberge trotz dieser Trockenheit und
hohen Temperaturen Ende Juli überwiegend noch so„
frisch“ präsentierten. Lediglich junge Anlagen sowie
Reben auf leichten und skelettreichen Böden zeigten
ab Ende Juli Trockenstresssymptome. Allein im Juni
und Juli fehlten über 60 l/m² Regen, seit November
2005 summierte sich das Defizit auf über 100 l/m².
Zu einem Unwetter kam es lediglich am 22. Juli in der
Gemarkung Martinsthal, wo wolkenbruchartiger Regen
zu Abschwemmungen führte.
Der Rebschutz machte in diesem Jahr keine Probleme.
Da 90% der Fläche mit RAK-Ampullen abgehängt
waren, ließen sich die Spritzungen gegen die Pilze optimal
terminieren.
Mit dem August kam auch die herbeigesehnte Abkühlung.
Am 5. August fielen im unteren Rheingau Niederschläge
zwischen 15 und 18 l/m², während der mittlere
Rheingau nach wie vor fast leer ausging. Insgesamt
holte der August jedoch einiges nach, was Juni
und Juli versäumten. So regnete es zwischen 86 l/m² in
Winkel und 123,5 l/m² in Rüdesheim. In Eltville fiel nur
an sechs Tagen im Monat kein Niederschlag, so dass
verbreitet Fäulnis einsetzte. Davon waren die kompakten
Spätburgunderklone besonders betroffen.
Der Reifebeginn setzte beim Müller-Thurgau am
3. August, beim Spätburgunder am 10. und beim Riesling
am 16. ein. Damit lagen wir in der Entwicklung im
Bereich von 2002.
Pünktlich zum 1. September kehrte aber der Sommer
zurück und das Wetter ließ angenehme Erinnerungen
an den September 2005 aufkommen. Die Durchschnittstemperatur
lag mit 18,1 °C um 1,2 °C höher als
2005 und 3,4 °C über dem Mittel und damit gleichauf mit dem September
1949, der nach 1947 (18,3 °C) als
zweitwärmster Monat seit 1885 registriert ist. Dementsprechend
stieg auch der Zuckergehalt der Beeren in
der Folgezeit rasant an. Die kühlen Nächte wiederum
verhinderten einen zu schnellen Säureabbau. Auch
die aufgekommene Fäulnis breitete sich witterungsbedingt
zunächst nicht weiter aus.Ü
berraschenderweise scheinen die geringen Regenmengen
am 17. und besonders am 26. September in
Verbindung mit einer hohen Luftfeuchte ausgereicht
zu haben, dass sich die Fäulnis stark ausbreitete. Dadurch
setzte die Lese früher ein als erwartet. Sie begann
beim Spätburgunder am 28. September und beim
Riesling am 2. Oktober.
Die starken Niederschläge am Abend des 30. September
veranlassten die Winzer zusätzlich, die Lese zügig
voranzutreiben, so dass von einer insgesamt kurzen
Lesedauer ausgegangen werden kann. Sehr bewährt
haben sich in diesem Jahr die lockerbeerigen Spätburgunderklone.
Eine leicht überdurchschnittliche Erntemenge wäre
sehr marktgerecht, da die Nachfrage nach Riesling
weiterhin boomt. Ein weiteres Ausbreiten der Fäulnis
könnte dem jedoch entgegenstehen. |