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Der Weinjahrgang 2005
Temperaturverlauf und Rebentwicklung glichen im Vegetationsverlauf einer Achterbahn.
     
Der Januar begann mit frühlingshaften Temperaturen bis 15 °C. Erst gegen Ende des Monats wurde es winterlich und diese Phase hielt den gesamten Februar über bis in den März hinein an. Ab dem 8. März ging die Temperatur täglich nach oben und bereits am 16. war die 20 °C – Marke überschritten. Ab Anfang April brachte kalte Nordluft Nachtemperaturen bis nahe 0 °C, die die weitere Entwicklung deutlich hemmte. Trotzdem hatten wir beim Riesling mit dem 21. April einen um eine Woche vor dem langjährigen Mittel liegenden Austrieb. Der leichte Bodenfrost bis – 3 °C am 21. und 22. wurde zu diesem Zeitpunkt von den Reben noch verkraftet. Aber schon zum Monatswechsel April/Mai ließ Hoch „Ofra“ die Temperaturen auf über 25 °C steigen.
Die Niederschläge entsprachen bis dahin etwa dem langjährigen Mittel. Die verfrüht aufgetretenen Eisheiligen brachten in Bodennähe und ungünstigen Lagen leichten Rauhreif, ohne jedoch Schäden zu verursachen. Auch die Prognosen des Wetterdienstes für den 18. und 19. Mai ließen uns nochmals zittern. Doch bereits eine Woche später transportierte Hoch „Rolena“ subtropische Luftmassen aus Nordafrika zu uns und ließ die Quecksilbersäule auf hochsommerliche 30 °C klettern, was einen gewaltigen Entwicklungsschub auslöste. Jedoch verzögerte die kühlere Witterung in der ersten Junihälfte den Blühbeginn dann um fast eine Woche.

Am späten Nachmittag des 14. Juni gingen über den Rheingau drei Stunden lang leichte Regenschauer nieder. Dies hatte zur Folge, dass die Luftfeuchte über 14
Stunden hinweg bei über 95% lag. Bis in den späten Vormittag des 15. Juni waren große Teile des Rheingaues in Nebel gehüllt. Die in den „Startlöchern“ stehendePeronospora wartete nur auf diese idealen Bedingungen der Nacht vom 14. auf den 15. Ölflecke und infizierte Gescheine braucht man danach nicht lange
zu suchen; sie waren in jeder Gemarkung zu finden. Weit überproportional stark war der Befall im oberen Rheingau. Selbst ältere Winzer berichteten, dass sie so etwas noch nicht gesehen hätten. Ein Blick in die Anlagen verhieß nichts Gutes. Doch die Disziplin der Winzer beim Pflanzenschutz und das einsetzende dreiwöchige sehr warme Wetter mit Temperaturen bis 33 °C ließ die schlimmsten Befürchtungen doch nicht großflächige Realität werden. Nichtsdestotrotz sind Schäden in einzelnen Weinbergen bis 80% zu konstatieren. Demgegenüber ist sehr positiv, dass die Verwirrungsmethode auf über 90% der Rebfläche ausgeweitet wurde.

Das warme Wetter brachte aber auch die Rebentwicklung wieder auf Hochtouren und ließ die Blüte um den 20. Juni innerhalb weniger Tage quasi durchrauschen. Verrieselungen konnten bei dieser Hitze nicht ganz ausbleiben, waren aber hochwillkommen, da sich diese Anlagen danach lockerbeerig präsentierten.

Deutlich zugenommen hat die Ausdünnung in fast allen Variationen. Bereits etwa zehn Tage nach dem Stadium „Abgehende Blüte“ war „Erbsengröße“ erreicht, wobei dieser Entwicklungsstand exakt dem Zeitpunkt von 2002 entsprach. Damals trat der Reifebeginn beim Riesling am 16. August ein. Sowohl April, Mai, Juni und Juli waren durchschnittlich wärmer als im 30-jährigen Mittel. Auch die Sonne schien im Überfluss. Nach Angabe des Deutschen Wetterdienstes Geisenheim lagen wir Ende Juli 150 Stunden über dem „Sollwert“ und waren somit ca. drei Wochen voraus. Somit scheint sich der Trend der „zu warmen“ Jahre weiterhin fortzusetzen.

Negativ bemerkbar machte sich das seit Juni beständig ansteigende Wasserdefizit. Erste Trockenstresssymptome waren Mitte Juli insbesondere in skelettreichen Steillagen und in Jungfeldern sichtbar. So fielen im Juni am Standort Eltville ganze 30 l/m² (Mittel: 60 l/m²)und diese noch ungünstig verteilt. Auch im Juli hielt sich Regengott „Zeus“ mit mageren 41 l/m² (Mittel: 69 l/m²) unangemessen zurück, so dass allein in diesen beiden Monaten 58 l/m² fehlten. Von den teilweise schweren Unwettern in anderen Gebieten Ende Juli blieb der Rheingau glücklicherweise verschont.

Bereits am 27. Juli konnte beim Müller-Thurgau das Stadium „Reifebeginn“ festgestellt werden. Dies ist vergleichbar mit der Entwicklung im Jahr 2000, als die Reife am 28.7 einsetzte. Dem wollte auch der Riesling nicht nachstehen und übersprang die magischen 25 °Oechsle im Eltviller Sonnenberg am 13. August, obwohl die kühlere Wetterperiode in der ersten Augusthälfte die Entwicklung noch bremste.

Die herbeigesehnten größeren Regenmengen setzten am 12. ein. Weitere Niederschläge fielen am 14. und 15. August. Zusammengerechnet lagen diese zwischen 30l/m² in Frauenstein und 60 l/m² in Lorch. Die danach einsetzende deutliche Erwärmung ließ die Mostgewichte sogar rasanter ansteigen als 2003. Von Ende August bis zum 10. September schwankte die Quecksilbersäule zwischen 25 und 31 °C. Ab Anfang September machte sich auf den leichten Böden wieder Trockenstress bemerkbar, so dass hier die Niederschläge (zwischen 25 und 40 l/m²) vom 10. bis 12. gerade recht kamen. Auf der anderen Seite führten sie aber zu einer starken Wasseraufnahme der Beeren, so dass schlagartig Fäulnis einsetzte. Ab dem 16. kühlte es wunschgemäß nachts sehr stark ab, so dass die Fäulnis und der Säureabbau langsamer voranschritten als zunächst befürchtet.

Das Mostgewicht entwickelte sich beim Riesling im Durchschnitt von 25 Standorten wie folgt: am 22.08. 46 °, am 29.08. 59 °, am 05.09. 70 °, am 13.09.74 °, am 19.09. 81 °, am 26.09. 86 °Oechsle und 10,9 Promille Säure. Wie rasant die Zuckereinlagerung in die Beeren erfolgte, sieht man daran, dass das Mostgewicht vom 22. August bis 19. September pro Tag um durchschnittlich zwei °Oechsle zunahm. Danach lagen wir Mitte September 10 Tage vor 2004 und nur eine Woche hinter 2003 zurück.

Auch fäulnisbedingt setzte die Lese beim Spätburgunder am 24. September und beim Riesling am 1. Oktober ein. Oftmals war eine selektive Lese erforderlich. Die Fäulnis drückte insbesondere beim Spätburgunder die noch Anfang September erwartete Erntemenge deutlich.
 

Herausgeber

Regierungspräsidium Darmstadt

Dez. Weinbauamt Eltville

Tel. (06123) 905827
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