Die
Niederschläge entsprachen bis dahin etwa dem langjährigen
Mittel. Die verfrüht aufgetretenen Eisheiligen brachten in Bodennähe
und ungünstigen Lagen leichten Rauhreif, ohne jedoch Schäden
zu verursachen. Auch die Prognosen des Wetterdienstes für den
18. und 19. Mai ließen uns nochmals zittern. Doch bereits eine
Woche später transportierte Hoch „Rolena“ subtropische
Luftmassen aus Nordafrika zu uns und ließ die Quecksilbersäule
auf hochsommerliche 30 °C klettern, was einen gewaltigen Entwicklungsschub
auslöste. Jedoch verzögerte die kühlere Witterung in
der ersten Junihälfte den Blühbeginn dann um fast eine
Woche.
Am späten Nachmittag des 14. Juni gingen über den Rheingau
drei Stunden lang leichte Regenschauer nieder. Dies hatte zur Folge,
dass die Luftfeuchte über 14
Stunden hinweg bei über 95% lag. Bis in den späten Vormittag
des 15. Juni waren große Teile des Rheingaues in Nebel gehüllt.
Die in den „Startlöchern“ stehendePeronospora wartete
nur auf diese idealen Bedingungen der Nacht vom 14. auf den 15. Ölflecke
und infizierte Gescheine braucht man danach nicht lange
zu suchen; sie waren in jeder Gemarkung zu finden. Weit überproportional
stark war der Befall im oberen Rheingau. Selbst ältere Winzer
berichteten, dass sie so etwas noch nicht gesehen hätten. Ein
Blick in die Anlagen verhieß nichts Gutes. Doch die Disziplin
der Winzer beim Pflanzenschutz und das einsetzende dreiwöchige
sehr warme Wetter mit Temperaturen bis 33 °C ließ die schlimmsten
Befürchtungen doch nicht großflächige Realität
werden. Nichtsdestotrotz sind Schäden in einzelnen Weinbergen
bis 80% zu konstatieren. Demgegenüber ist sehr positiv, dass die
Verwirrungsmethode auf über 90% der Rebfläche ausgeweitet
wurde.
Das warme Wetter brachte aber auch die Rebentwicklung
wieder auf Hochtouren und ließ die Blüte um den 20. Juni
innerhalb weniger Tage quasi durchrauschen.
Verrieselungen konnten bei dieser Hitze nicht ganz ausbleiben,
waren aber hochwillkommen, da sich diese Anlagen danach lockerbeerig
präsentierten.
Deutlich zugenommen hat die Ausdünnung
in fast allen Variationen. Bereits etwa zehn Tage nach dem Stadium „Abgehende
Blüte“ war „Erbsengröße“ erreicht,
wobei dieser Entwicklungsstand exakt dem Zeitpunkt von 2002 entsprach.
Damals trat der Reifebeginn beim Riesling am 16. August ein.
Sowohl April, Mai, Juni und Juli waren durchschnittlich wärmer
als im 30-jährigen Mittel. Auch
die Sonne schien im Überfluss. Nach Angabe des Deutschen
Wetterdienstes Geisenheim lagen wir Ende Juli 150 Stunden über
dem „Sollwert“ und waren somit ca. drei Wochen voraus.
Somit scheint sich der Trend der „zu warmen“ Jahre
weiterhin fortzusetzen.
Negativ bemerkbar machte sich das seit
Juni beständig ansteigende
Wasserdefizit. Erste Trockenstresssymptome waren Mitte Juli insbesondere
in skelettreichen
Steillagen und in Jungfeldern sichtbar. So fielen im Juni am
Standort Eltville ganze 30 l/m² (Mittel: 60 l/m²)und
diese noch ungünstig verteilt. Auch im Juli
hielt sich Regengott „Zeus“ mit mageren 41 l/m² (Mittel:
69 l/m²) unangemessen zurück, so dass allein in diesen
beiden Monaten 58 l/m² fehlten. Von den teilweise schweren
Unwettern in anderen Gebieten Ende Juli blieb der Rheingau glücklicherweise
verschont.
Bereits am 27. Juli konnte beim Müller-Thurgau das Stadium „Reifebeginn“ festgestellt
werden. Dies ist vergleichbar mit der Entwicklung im Jahr 2000,
als die
Reife am 28.7 einsetzte. Dem wollte auch der Riesling nicht nachstehen
und übersprang die magischen 25 °Oechsle im Eltviller
Sonnenberg am 13. August, obwohl
die kühlere Wetterperiode in der ersten Augusthälfte
die Entwicklung noch bremste.
Die herbeigesehnten größeren Regenmengen setzten
am 12. ein. Weitere Niederschläge fielen am 14. und 15.
August. Zusammengerechnet lagen diese zwischen 30l/m² in
Frauenstein und 60 l/m² in Lorch. Die danach einsetzende
deutliche Erwärmung ließ die Mostgewichte sogar rasanter
ansteigen als 2003. Von Ende August bis zum 10. September schwankte
die Quecksilbersäule zwischen 25 und 31 °C. Ab Anfang
September machte sich auf den leichten Böden wieder Trockenstress
bemerkbar, so dass hier die Niederschläge (zwischen 25 und
40 l/m²) vom 10. bis 12. gerade recht kamen. Auf der anderen
Seite führten sie aber zu einer starken Wasseraufnahme der
Beeren, so dass schlagartig Fäulnis einsetzte. Ab dem 16.
kühlte es wunschgemäß nachts sehr stark ab, so
dass die Fäulnis und der Säureabbau langsamer voranschritten
als zunächst befürchtet.
Das Mostgewicht entwickelte
sich beim Riesling im Durchschnitt von 25 Standorten wie folgt:
am 22.08. 46 °, am 29.08. 59 °, am 05.09. 70 °,
am 13.09.74 °, am 19.09. 81 °, am 26.09. 86 °Oechsle
und 10,9 Promille Säure. Wie rasant die Zuckereinlagerung
in die Beeren erfolgte, sieht man daran, dass das Mostgewicht
vom 22. August bis 19. September pro Tag um durchschnittlich
zwei °Oechsle zunahm. Danach lagen wir Mitte September 10
Tage vor 2004 und nur eine Woche hinter 2003 zurück.
Auch
fäulnisbedingt setzte die Lese beim Spätburgunder
am 24. September und beim Riesling am 1. Oktober ein. Oftmals
war eine selektive Lese erforderlich. Die Fäulnis drückte
insbesondere beim Spätburgunder die noch Anfang September
erwartete Erntemenge deutlich. |