Nachdem
bezüglich Wärme Februar und März der Norm entsprachen,
sorgten höhere Temperaturen ab Mitte April im Vergleich zum
30jährigen Mittel beim Riesling doch noch für einen um
sechs Tage verfrühten Austrieb.
Höhere Temperaturen ab Ende Mai und besonders Hoch „Vincent“ ab
dem 6. Juni sorgten wieder für einen kräftigen Entwicklungsschub, so
dass die Blüte dann doch früher als angenommen einsetzte.
Obwohl es im Juni an 9 Tagen regnete, was bei vielen Menschen
schon den Eindruck eines verregneten Sommers machte, zeigte
der Blick auf den unbestechlichen Regenmesser
insgesamt nur 20 l/m². Bei Gewittern Mitte Juli kam es in einigen Gemarkungen
auch zu Hagelschauern, ohne jedoch größere Schäden zu verursachen.
Ein starker lokaler Hagelschauer traf am 7. August den Wiesbadener Neroberg.
Mit teilweise über 70% Schaden war dies das folgenreichste Naturereignis
in der Geschichte des „städtischen“ Neroberges.
Sowohl im Juli als auch im August fielen überdurchschnittlich viel Niederschläge,
so dass sich die schlechte Wasserbilanz der Böden merklich entspannte. Dabei
dürften vor allem die Augustniederschläge, die das langjährige
Mittel um über 80% übertrafen, sich mengensteigernd ausgewirkt haben.
Insgesamt lag der Sommer im Normalbereich, lediglich die Sonnenscheinstunden
hatten ein nennenswertes Defizit.
Für die Erzeugung höherer Qualitäten war besonders beim Spätburgunder
eine Ausdünnung der Trauben erforderlich. Der Reifebeginn lag im bereich
des 30 jährigen Mittels. Bedingt durch herrliches Altweibersommerwetter
ab Ende August - der September war insgesamt um durchschnittlich 1,2 °C zu
warm, sehr sonnenreich und zu trocken - sowie einer gesunden Laubwand nahmen
die Mostgewichte schnell zu. Der Niederschlag vom 22. mit 18 l/m² (Eltville)
sorgte insbesondere auf leichten Böden für eine starke Wasseraufnahme
durch die Rebe, was vielfach zu einem Abdrücken der Beeren vom Stielgerüst
bzw. zu einem Aufreißen der Beerenhaut führte. Beides stellte ideale
Eintrittspforten für die Botrytis dar, so dass es vielerorts trotz scheinbar
günstiger Witterung zu einer raschen Verbreitung von Fäulnis kam.
Da auch der Oktober sein Wärmesoll übererfüllte
und die Winzer den Lesebeginn hinauszögerten, stiegen die
Mostgewichte auf ein Niveau, welches man bei Reifebeginn nicht
erwartet hätte. Auffallend war in diesem Jahr das relativ große
Beeren- und Traubengewicht. Zu Beginn der Lese waren die Erträge
meist relativ hoch. Da sich die Rieslinglese über
etliche Wochen hinzog, gingen diese im Verlauf des Herbstes jedoch stark zurück.
Aufgrund der permanent hohen relativen Luftfeuchte konnten
nur wenig edelsüße
Gewächse geerntet werden. |