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Der Weinjahrgang 2003
Ein Jahr der meteorologischen und phänologischen Superlative
     
Ein Jahr der phänologischen Superlative, so könnte man das Vegetationsjahr (April bis Oktober) 2003 charakterisieren.

Das Jahr 2002 verabschiedete sich mit reichlich Regen, den die Böden nicht zur Gänze aufnehmen konnten, was auch den Rhein über die Ufer treten ließ. Da auch der Januar sein „Soll“ mit 150% übererfüllte, gingen wir mit weitgehend wassergesättigten Böden in die Vegetationsperiode; nicht ahnend, wie abhängig die Reben davon noch sein würden.


Die Rekordflut begann bereits im Februar, wo das extrem stabile
Hoch „Helga“ die Sonne fast den gesamten Monat über scheinen ließ. Er aber auch sehr nieder-schlagsarm, was sich im März und April fortsetzte. Erst am 14. Mai fielen an einem Tag mal wieder mehr als 10 mm Regen.

Der Austrieb lag beim Riesling mit dem 19.4. vergleichbar mit 1997 und damit 10 Tage früher als normal. Genügend Wärme und Wasser sorgten für einen sehr frühen Blütebeginn, der nur von 1993 getoppt wird, was ein Vorsprung gegenüber dem 30-jährigen Mittel von 16 Tagen bedeutet. Diese in solch einer Geschwindigkeit noch nicht registrierte Entwicklung setzte sich auf Grund der anhaltend stabilen Hochdruckwetterlagen fort. Dies bedeutete einen enormen Stress für die Winzer, denen das Laub quasi aus den Händen wuchs.

Ende Juni meldete der Geisenheimer Wetterdienst für das erste Halbjahr mit 1137 Sonnenscheinstunden (Durchschnitt: 840 Stunden) einen neuen Rekord seit Beginn seiner Aufzeichnungen vor mehr als 100 Jahren, was auch bezüglich der Wärme für den Juni, der um satte 4,7 °C zu heiß war, zutraf und uns medienwirksame südländische Verhältnisse bescherte. Auch der Juli war um über 2° C zu warm, außerdem zu sonnenreich und regenarm.

Der Sommer brach in diesem Jahr gleich mehrere Rekorde. So war der Juni und der August der Wärmste seit Beginn der Geisenheimer Wetteraufzeichnungen. Auch im Juli geizte die Sonne nicht und ab Anfang August heizte uns Hoch „Michaela“ an 11 Tagen hintereinander mit einer Maximaltemperatur von über 35° C kräftig ein.

Ende Juli konnte das Weinbauamt eine bis dato noch nie konstatierte Rebentwicklung vermelden. Eine trotz des frühen Austriebes wohl kaum für möglich gehaltene Entwicklung gipfelte im frühesten Reifebeginn seit den kontinuierlichen Aufzeichnungen des Weinbauamtes Eltville.Dieser setzte beim Müller-Thurgau 27 Tage vor dem 30-jährigen Mittel ein. Diesem Datum am nächsten kommen die Jahre 1976 und 2000, selbst das Superjahr 1959 lag mit dem relativ weit zurück. Für einen noch zügigeren Reifeverlauf fehlte bei herrlichem Altweibersommerwetter teilweise das Wasser. Der sehr frühe Reifebeginn führte bei den warmen Nächten zu einem rasanten Säureabbau, so dass die kühleren Nachttemperaturen ab Mitte August sehr willkommen waren.

Die Lese setzte beim Spätburgunder am 15. und beim Riesling am 22. September ein.

Bei Temperaturen nahe der 30° C-Marke konnten bereits Mitte September Auslesen und Beerenauslesen geerntet werden. Und wann wurde schon einmal am 21. September Trauben mit durchschnittlich 100° Oechsle „am Stock“ gelesen? Die absolute Krönung waren jedoch die Trockenbeerenauslesen, wo Mostgewichte ab Mitte September von über 200° Oechsle keine Seltenheit waren. Den höchsten Wert meldeten Schloss Vollrads am 22. und die Domäne Steinberg am 26. mit jeweils 302° Oechsle, bei hochsommerlichen Temperaturen. Das warme Septemberwetter ging nahtlos in einen goldenen Oktober über, bei allerdings deutlich niedrigeren Nachttemperaturen.

Dank Hoch „Betty“ und einer Vollmondphase konnten am Morgen des 9. Dezember die ersten 2003er Eisweine geerntet werden.

Der Jahrgang brachte sehr farbintensive, dichte und alkoholreiche Rotweine sowie fruchtige und alkoholreiche Weißweine. Für die Qualität des Lesegutes war in diesem Jahr die Speicherfähigkeit des Bodens an rebenverfügbarem Wasser wichtiger als die Energieeinnahme des Standortes.

Freuen wir uns über einen Jahrgang, der beim Verbraucher schon früh große Erwartungen erweckte und einen sehr hohen Stellenwert geniest.
 
 

Herausgeber

Regierungspräsidium Darmstadt

Dez. Weinbauamt Eltville

Tel. (06123) 905827
E-Mail: a.booss@rpda.hessen.de
 
 
   
   
     
   
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