Hoch „Helga“ die
Sonne fast den gesamten Monat über scheinen ließ. Er aber auch sehr
nieder-schlagsarm, was sich im März und April
fortsetzte. Erst am 14. Mai fielen an einem Tag mal wieder mehr als 10 mm Regen.
Der Austrieb lag beim Riesling mit dem 19.4. vergleichbar mit 1997 und damit
10 Tage früher als normal. Genügend Wärme und Wasser sorgten für
einen sehr frühen Blütebeginn, der nur von 1993 getoppt wird, was ein
Vorsprung gegenüber dem 30-jährigen Mittel von 16 Tagen bedeutet. Diese
in solch einer Geschwindigkeit noch nicht registrierte Entwicklung setzte sich
auf Grund der anhaltend stabilen Hochdruckwetterlagen fort. Dies bedeutete einen
enormen Stress für die Winzer, denen das Laub quasi aus den Händen
wuchs.
Ende Juni meldete der Geisenheimer Wetterdienst für das erste Halbjahr mit
1137 Sonnenscheinstunden (Durchschnitt: 840 Stunden) einen neuen Rekord seit
Beginn seiner Aufzeichnungen vor mehr als 100 Jahren, was auch bezüglich
der Wärme für den Juni, der um satte 4,7 °C zu heiß war,
zutraf und uns medienwirksame südländische Verhältnisse bescherte.
Auch der Juli war um über 2° C zu warm, außerdem zu sonnenreich
und regenarm.
Der Sommer brach in diesem Jahr gleich mehrere Rekorde. So war der Juni und der
August der Wärmste seit Beginn der Geisenheimer Wetteraufzeichnungen. Auch
im Juli geizte die Sonne nicht und ab Anfang August heizte uns Hoch „Michaela“ an
11 Tagen hintereinander mit einer Maximaltemperatur von über 35° C kräftig
ein.
Ende Juli konnte das Weinbauamt eine bis dato noch nie konstatierte Rebentwicklung
vermelden. Eine trotz des frühen Austriebes wohl kaum für möglich
gehaltene Entwicklung gipfelte im frühesten Reifebeginn seit den kontinuierlichen
Aufzeichnungen des Weinbauamtes Eltville.Dieser setzte beim Müller-Thurgau
27 Tage vor dem 30-jährigen Mittel ein. Diesem Datum am nächsten kommen
die Jahre 1976 und 2000, selbst das Superjahr 1959 lag mit dem relativ weit zurück.
Für einen noch zügigeren Reifeverlauf fehlte bei herrlichem Altweibersommerwetter
teilweise das Wasser. Der sehr frühe Reifebeginn führte bei den warmen
Nächten zu einem rasanten Säureabbau, so dass die kühleren Nachttemperaturen
ab Mitte August sehr willkommen waren.
Die Lese setzte beim Spätburgunder am 15. und beim Riesling am 22. September
ein.
Bei Temperaturen nahe der 30° C-Marke konnten bereits Mitte September Auslesen
und Beerenauslesen geerntet werden. Und wann wurde schon einmal am 21. September
Trauben mit durchschnittlich 100° Oechsle „am Stock“ gelesen?
Die absolute Krönung waren jedoch die Trockenbeerenauslesen, wo Mostgewichte
ab Mitte September von über 200° Oechsle keine Seltenheit waren. Den
höchsten Wert meldeten Schloss Vollrads am 22. und die Domäne Steinberg
am 26. mit jeweils 302° Oechsle, bei hochsommerlichen Temperaturen. Das warme
Septemberwetter ging nahtlos in einen goldenen Oktober über, bei allerdings
deutlich niedrigeren Nachttemperaturen.
Dank Hoch „Betty“ und einer Vollmondphase konnten am Morgen des 9.
Dezember die ersten 2003er Eisweine geerntet werden.
Der Jahrgang brachte sehr farbintensive, dichte und alkoholreiche Rotweine sowie
fruchtige und alkoholreiche Weißweine. Für die Qualität des Lesegutes
war in diesem Jahr die Speicherfähigkeit des Bodens an rebenverfügbarem
Wasser wichtiger als die Energieeinnahme des Standortes.
Freuen wir uns über einen Jahrgang, der beim Verbraucher schon früh
große Erwartungen erweckte und einen sehr hohen Stellenwert geniest. |