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Die Entdeckung der Spätlese im Jahre 1775

An vielen Orten wurde der Wert des Rieslings bis ins 18. Jahrhundert hinein noch nicht erkannt, schuld daran waren nicht zuletzt die Lesegewohnheiten. Damit sie die Erhebung ihrer Abgaben besser kontrollieren konnten, waren viele Grundherrren darauf bedacht, die Weinlese ohne Unterbrechung durchführen zu lassen.
Der Lesebeginn orientierte sich an der Rebsorte, deren Trauben am frühesten reif waren, dem Kleinberger. Der Riesling, aber auch andere Rebsorten, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht voll ausgereift waren, wurden kurzerhand mitgelesen und blieben so natürlich unter ihren eigentlichen Möglichkeiten.
 


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Erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts änderte sich das und der Riesling wurde zu einer wirklichen Konkurrenz für den Kleinberger.

Seinen Durchbruch verdankt der Riesling den Klöstern. Die Klöster bildeten die Zentren des Qualitätsweinbaus; sie verfügten über ausgedehnte Rebflächen und waren auch nicht mit erdrückenden Abgaben belastet. Sie konnten sich, um es salopp auszudrücken, ein Qualitäts-bewußtsein eher leisten, als der einfache Winzer.

Ein wesentliches Kapitel der Geschichte des Qualitätsweinbaus im 18. Jahrhundert schrieb das Kloster Johannisberg im Rheingau:
Hier kam es im Jahre 1775 zur Entdeckung der Edelfäule und des Wertes der Spätlese.
Mit der Unterstützung des Mainzer Erzbischofs hatten die Benediktiner 1106 - 1108 auf dem Johannisberg ein Kloster gegründet. Während das Zisterzienserkloster Eberbach schon im späten Mittelalter die zentrale Rolle bei der Ausbildung der Rheingauer Weinkultur spielte, erreichte das Kloster Johannisberg auf dem Gebiet der Weinwirtschaft erst in der Neuzeit seinen entscheidenden Einfluß, nachdem das Kloster und der Johannisberg in den Besitz der Fuldaer Benediktinerfürstabtei übergegangen waren. Ein Vertrag, den der Mainzer Erzbischof Lothar von Schönborn und der Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar am 20. Juni 1716 unterzeichnet haben, regelte diesen Übergang.


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Unter der Führung der Fürstäbte von Fulda, die ab 1752 zugleich Fürstbischöfe von Fulda waren, wurde das Johannisberger Schloß errichtet und der konsequente Ausbau des klösterlichen Weinbau-betriebes in Angriff genommen. Mehr als die Hälfte aller klösterlichen Weinberge sind in den ersten fünf Jahren (1716 - 1721) der fuldischen Herrschaft neu angelegt worden. Darüber hinaus wurde die Anbau-fläche durch Rodungen weiter ausgedehnt.


Das Gut Johannisberg gilt als das erste geschlossene Riesling-weingut überhaupt. Die Aktivitäten der Fürstäbte in den Jahren 1717 - 1721 habe ich bereits angesprochen; in den Jahren 1719 und 1720 hatten sie 38500 Rieslingreben, insgesamt ca. 5 Hektar, anpflanzen lassen und haben dann aufgrund der guten Ernteerträge den Ausbau der Rieslingweinberge in den darauffolgenden Jahrzehnten voran-getrieben.

Die Fuldaer Fürstbischöfe beschäftigten auf dem Johannisberg einen Kellner, der der Wirtschafts-verwaltung des Klosters vorstand. Eine Aufgabe des Johannisberger Kellners war es, sich vor der alljährlichen Traubenlese die Leseerlaubnis in Fulda einzuholen. Zu diesem Zweck hat man einen Kurier von Johannisberg nach Fulda geschickt, der eine Probe der Trauben überbrachte.



 
 
   
   
     
   
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